Freizeitsee und Pumpspeicherprojekt
Wunsiedler See und Burgsteinsee

© Dr.-Ing. Matthias Popp, Burgstraße 19, D-95632 Wunsiedel,

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Projektstand und Ausblick

 

Wie kam es zu dieser Idee?

Bestellt hatte ich diese nicht. Sie war plötzlich einfach da.

 

Anfang Dezember 2007, rechnete ich, ohne dass ich heute weiß, was mich dazu veranlasste, einmal überschlägig nach, welche Energiemengen ein Pumpspeicher zwischen Röslautal und Hildenbühl aufnehmen könnte. Schnell war mir klar, dass bei so einer Anlage der Energiebedarf unseres lokalen Versorgungsunternehmens SWW Wunsiedel GmbH (durchschnittliche Leistungsabgabe ca. 10 MW) ohne weiteres für einige Tage zwischengespeichert werden könnte.

Dies rechnete ich in den darauf folgenden Tagen noch etwas genauer nach und stellte fest, dass hier großes Potential schlummert.

 

Beim Blick auf die Landkarte zeigte sich, dass sich das südlich des Röslautals befindliche Burgsteinmassiv noch besser eignen dürfte. Diesen Gedanken im Kopf flog ich am darauffolgenden sonnigen Dezemberwochenende mit dem Motorsegler vom Flugplatz Tröstau aus das gesamte Gebiet ab und stellte fest, dass sich die Landschaft tatsächlich zu eignen scheint.

Meine Beobachtungen ergaben auch, dass sich in der mir bekannten Umgebung keine andere Gebirgssituation befindet, die sich besser für so ein Projekt eignen könnte.

 

Daraufhin besorgte ich mir eine Karte mit Höhenschichtlinien und stellte fest, dass ein Talsee zwischen Krohenhammer und Furthammer sein Ufer etwa entlang der 540 Meter Höhenlinie bekommen müsste, wenn davon keine Gebäude betroffen sein sollen.

Den Bergsee stellte ich mir damals so vor, dass ein Damm zwischen Schauerberg und Luisenburg angelegt wird, indem die Hangkontur des Schauerbergs nach Osten, etwa Richtung Kaiserfelsen verlängert wird. Nach Westen sollte der See durch einen weiteren kleinen Damm zwischen Schauerberg und Haberstein begrenzt werden. Dieser See hätte die Uferlinie in 765 Metern (Gipfelhöhe des Schauerbergs) gehabt und wäre bis zu 25 Meter tief geworden. Ohne Aushub hätte er ein Wasservolumen von ca. zwei Millionen Kubikmeter aufgenommen. Überschlägig hätte diese Ausführungsvariante gereicht, um ein Pumpspeicherkraftwerk von 100 Megawatt Leistung dazwischen zu schalten. Das Landschaftsbild hätte dieser See nicht merklich verändert.

 

Der Energiebörse EEX in Leipzig entnahm ich die Preise beim Stromhandel und erkannte schnell das Potential, das in so einer Anlage steckt. Meine Berechnungen ergaben, dass sich damit jährliche Stromerlöse in Höhe mehrerer Millionen Euro realisieren lassen müssten.

 

Damals befanden wir uns im Wahlkampf zur Kommunalwahl 2008 und führten heftige Diskussionen über das von unserer Stadt für Investitionen eingesetzte Fremdkapital.

Derartige Stromerlöse würden die Situation unserer Stadt deutlich zum positiven wenden und uns finanziell in eine ganz andere Liga katapultieren.

 

Diese Erkenntnis motivierte mich, genauer nachzurechnen und auszuloten, wo ein wirtschaftliches Optimum eines solchen Projektes liegen könnte.

Im Zuge dieser Überlegungen wanderte der obere See nach oben auf 820 Meter Richtung Burgstein. Schnell war auch klar, dass das Volumen des unteren Sees nur vergrößert werden kann, wenn er eingegraben wird.

Dabei kamen mir Kenntnisse aus meinem Studiums des Maschinenwesens an der TU München zugute, wo ich mich auch intensiv mit der Auslegung von Wasserkraftanlagen befasste.

 

Um ein Gefühl für diese zunächst abenteuerlich erscheinende Idee des Ausgrabens zu bekommen führte ich ein Gespräch mit einem Tagebauexperten vom Amberger Kaolinwerk in Hirschau (der Monte Kaolino dürfte für viele ein Begriff sein). Dabei stellte sich heraus, dass die Kosten für einen Geländeaushub in dieser Größenordnung durchaus vertretbar wären.

 

Diese Optimierungsüberlegungen erbrachten, dass unsere topografische Situation geeignet ist, ein Pumpspeicherwerk anzulegen, das zu den größten Deutschlands und Europas zählen könnte. Durch die vorgeschlagene besondere Ufergestaltung mit steilen Klippen, zum Teil aus weisem Marmor, schwimmenden Straßen und Inseln sowie "Ebbe" und "Flut" würde damit ein See entstehen, der unsere Region auch im Freizeitwert und touristisch aufwertet. In finanzieller Hinsicht könnte das Projekt ein Wendepunkt für die wirtschaftliche Lage und die finanzielle Situation unserer Region werden.

 

Wie soll man nun mit so einer Idee umgehen?

Natürlich gehen einem als Kommunalpolitiker und Person vor Ort auch die ganzen Probleme, die so ein Vorhaben aufwerfen wird, durch den Kopf.

Wie werden Genehmigungsbehörden, Wasserwirtschaft, Naturschutz, Eigentümer, Anlieger, Landwirtschaft, politische Kräfte, Medien, Bevölkerung, Freunde und Bekannte auf so einen Vorschlag reagieren?

 

Zunächst führte ich verschwiegene Testgespräche mit Personen meines Vertrauens, um deren Reaktion auf diesen Vorschlag zu erfahren. Diese Gespräche verliefen durch die Bank so, dass Sie mich ermutigten, weiter zu machen. Gleichzeitig wurden  problematische Sachverhalte dieses Vorschlags zunehmend herausgearbeitet.

 

Als eine der wohl am schwierigsten einzuschätzenden Frage dürfte die des Untergrundes im zerklüfteten Marmorzug des Talgrundes sein. Bekommt man diesen dicht, so dass keine unterirdischen Wasserabflüsse stattfinden und sprengen die dafür erforderlichen Maßnahmen nicht die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes?

 

Unterschiedliche Meinungen bekam ich von Naturschutzvertretern zu hören. Diese gingen von einer möglichen Gefährdung der Luchs- und Auerhuhnpopulation im Fichtelgebirge bis zu Auskünften, dass diese Maßnahme diese Tierarten wohl kaum beeinträchtigen dürfte.

 

Nun könnte man es sich leicht machen, alle Schwierigkeiten, die das Projekt aufwirft sehen, sich sagen, das wird so und so nichts und zur Tagesordnung über gehen.

Meiner Vorstellung von Verantwortung für ein Wissen, das man hat, entspricht das aber nicht.

Dieser Projektvorschlag hat aus meiner Sicht so eine Tragweite, dass er auf alle Fälle so weit durchgeprüft werden muss, dass man zum Schluss auf fundierter Grundlage entscheiden kann, ob er weiter verfolgt oder ad Acta gelegt wird.

 

Deshalb überlegte ich mir eine Strategie, bei der die größten zu erwartenden Probleme zuerst geklärt werden.

 

Bisher geführte Gespräche

Bürgermeister, SWW Geschäftsführer und Stadtbaumeister wurden sehr früh von den Überlegungen informiert.

Frühzeitig gab es auf persönlicher Ebene rein informative Gespräche mit dem geologischen Landesamt (wegen der Bodenverhältnisse), dem Bergamt (wegen Bergrechten), dem Regierungspräsidenten und Regierungsvertretern aus dem Bereich Naturschutz und Wasserwirtschaft sowie dem Bürgermeister der Gemeinde Tröstau.

 

Dann führte ich mit betroffenen Eigentümern Gespräche, um diese zu informieren und deren Reaktionen kennen zu lernen. All diese Gespräche waren sehr ermutigend und konstruktiv. Eine häufige Reaktion war der Wunsch, dass man es gerne erleben möchte, wie dieser See kommt.

Immer wurde Verschwiegenheit vereinbart um eine öffentliche Diskussion dieses Projektes zu einem Zeitpunkt zu vermeiden, an dem bezüglich vieler Sachverhalte überhaupt noch nicht geklärt ist, ob das Projekt überhaupt realisiert werden kann.

 

Ein Eigentümer von Flächen ist der Landesbund für Vogelschutz. Informationsgespräche fanden mit dem Kreisvorsitzenden und seinem Stellvertreter statt. Eigentlicher Eigentümer ist der Landesverband mit Sitz in Hipoltstein. Der dortige Geschäftsführer wurde ebenfalls über die Projektvorstellungen informiert. Dieser gab an, dass der Landesbund erst Stellung beziehen wird, wenn es einen offizieller Projektträger gibt und eine gründliche Prüfung durch die Landesleitung erfolgt ist.

 

Weitere persönliche Informationsgespräche gab es mit örtlichen und Landkreisvertretern des Bund Naturschutz.

 

Meine Vorstellung, wenn das Pumpspeicherwerk kommt, ist, dieses als kommunales oder regionales Projekt zu verwirklichen. In das Projekt bringen wir unsere einmalige Landschaft ein. Wir wollen dabei ihren Freizeitwert und die Biodiversität steigern. Auf keinem Fall dürfen wir dieses einmalige und für uns entscheidende Kapital in externe Hände geben. Die Finanzströme und die Wirtschaftskraft, die wir damit ermöglichen, müssen in hohem Umfang bei uns ankommen und unseren Menschen und unserer Region zu Gute kommen.

 

Deshalb bat ich allen Wunsiedler Stadträten ein vertrauliches Informationsgespräch über dieses Projekt an.

 

Wie kam das Projekt in die Presse?

Fast am Ende dieser Informationsrunde der Stadträte erhielt ich am Dienstag, den 13. Mai 2008 einen Anruf des Herrn Heubeck von der Frankenpostredaktion in Wunsiedel.

Er nannte mir einige Details des bis dahin vertraulich kommunizierten Projekts, sagte, dieses sei in Wunsiedel Stadtgespräch und gab an, von drei Seiten davon gehört zu haben.

Er fragte mich, ob ich ihn dazu informieren möchte. Unabhängig davon kündigte er an, am Folgetag auf alle Fälle einen Bericht zu bringen.

In dieser Situation entschloss ich mich, zur Vermeidung einer unsachlichen Berichterstattung, Herrn Heubeck best möglich und umfassend zu informieren.

Leider war er nicht bereit, mit der Veröffentlichung längere Zeit zu warten, damit alle Eigentümer und unmittelbar Betroffenen im Vorfeld hätten informiert werden können.

Am Freitag, den 16. Mai 2008 erschien dazu im überregionalen Teil der Frankenpost auf Seite 4 ein umfassender und positiv abgefasster Bericht:

http://www.frankenpost.de/nachrichten/regional/laenderspiegel/art2388,831561

 

Dieser löste sofort Diskussionen in der Bürgerschaft aus. Viele hielten es für eine unerreichbare Vision, aber viele erkannten auch sofort das Potential, das in diesem Vorschlag steckt.

Damit bekamen die bis dahin vertraulich angestellten Überlegungen eine neue Dynamik.

 

Die Stadt Wunsiedel

Der Stadtrat befasste sich am 27. Mai 2008 in einer Sondersitzung mit dem Projekt und fasste in öffentlicher Sitzung am 29. Mai 2008 folgenden Beschluss:

 

 

letzte Ereignisse

Der Frankenpostbericht dazu zeigte am darauffolgenden Samstag den Lageplan einer Variante des Wunsiedler Sees:

http://www.frankenpost.de/nachrichten/fichtelgebirge/wunsiedel/art2460,838308.

 

In unserem städtischen Monatsblatt, dem "Wunsiedler", erschien Anfang Juni ebenfalls ein Bericht zu dem Projekt:

http://www.wunsiedel.de/0_start/pdf/2008-6-wunsiedler.pdf.

 

Am 5. Juni 2008 wurde das Projekt im Münchner Maximilianeum gemeinsam mit Landrat Dr. Karl Döhler und Bürgermeister Karl-Willi Beck unserer Wirtschaftsministerin Emilia Müller und dem Energiereferenten des Wirtschaftsministeriums vorgestellt.

Es wurde vereinbart, dass in einer weiteren Vorstellungsrunde unter Federführung des Wirtschaftsministeriums alle betroffenen Regierungsstellen und Ministerien informiert werden.

 

Am 26. Juni 2008 wurde das Projekt den Verwaltungsspitzen des Landratsamtes vorgestellt.

 

Ab Sonntag den 13. Juli 2008 gibt es Informationen zu dem Projekt unter dieser Adresse im Internet.

 

Am Dienstag, den 15. Juli besichtigte der Wunsiedler Stadtrat das touristisch genutzte Pumpspeicherwerk Happurg bei Hersbruck.

 

Am Mittwoch, den 16. Juli 2008 fand eine Eigentümer- und Anliegerinformation im Gasthof Saalfrank in Furthammer statt. Obwohl die Zahl der verschickten Einladungen niedriger war, als die verfügbaren Sitzgelegenheiten, war die Informationsveranstaltung vollkommen überfüllt. Schon eine viertel Stunde vor Beginn gab es nur noch Stehplätze und der Besucherstrom staute sich im Treppenaufgang. Es waren ganze Familien mit Freunden und Bekannten gekommen. Zahlreiche Personen, die weder Eigentümer betroffener Flächen noch unmittelbare Anlieger an das Seegelände sind, interessierten sich ebenfalls für diese Projektidee.

 

Am Mittwoch, den 23. Juli 2008 fand im Großen Saal der Fichtelgebirgshalle in Wunsiedel ein gut besuchter öffentlicher Informationsabend statt.

 

Aktueller Stand

Im Moment weiß niemand, ob das Freizeitsee und Pumpspeicherprojekt tatsächlich realisiert werden kann. Dazu sind viele offene Fragen qualifiziert, leidenschaftslos und sachlich abzuarbeiten. Es geht darum, dass die Entscheidung, ob die Umsetzung angegangen oder das Unternehmen abgeblasen wird, auf qualifizierter Grundlage erfolgt.

Die Öffentlichkeit hat in einer sehr frühen Phase Kenntnis von dem Projekt erlangt. Urheber, Stadtrat und Behörden wissen selbst noch nicht, ob die Umsetzung genehmigungsfähig und wirtschaftlich realisierbar sein wird.

In dieser Phase macht es relativ wenig Sinn, großartige Öffentlichkeitsarbeit zu machen und auf hitzige Leserbriefe und Berichterstattungen zu reagieren.

Klar ist, dass wir uns den Landesbund für Vogelschutz und alle Eigentümer als konstruktive Partner wünschen, wenn sich die Umsetzung des Projektes als gewinnbringend für die Region erweisen sollte.

Jeder kann dann auf seine Weise sehr viel Positives in diese Unternehmung einbringen.

 

Die bereits jetzt stattfindenden Informationsveranstaltungen dienen lediglich dazu, die Diskussionen in der Bürgerschaft zu versachlichen, Unsicherheiten abzubauen und offene Fragen zu klären.

 

Wie geht es weiter?

Die SWW Wunsiedel GmbH wurde vom Stadtrat beauftragt, ein Symposium zu organisieren, in dem dieser Projektvorschlag von fachlich versierten Persönlichkeiten,  Verantwortungsträgern aus Politik und Verwaltung und Bürgern besprochen wird.

Dieses Symposium dient dem Stadtrat zur Meinungsbildung für eine anschließend zu treffende Entscheidung, ob die Stadt Wunsiedel den nächsten Schritt gehen und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben wird.

 

Diese Machbarkeitsstudie hätte dann das Ziel, in Gesprächen mit den Vertretern Öffentlicher Belange die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit zu prüfen und die Anforderungen aufzuzeigen die dafür notwendig sind.

Weiter würde diese Szenarien ermitteln, in welcher Bandbreite sich die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens im besten (überall werden erleichternde Bedingungen angetroffen) und im ungünstigsten (überall werden erschwerte Bedingungen angetroffen) Fall bewegen kann.

Ferner wird sie Fragen der Finanzierung sowie von Organisationsformen und Projektpartnern für den Bau und den Betrieb des Pumpspeicherwerks aufzeigen.

 

Die Machbarkeitsstudie liefert die entscheidende Grundlage ob bzw. wie das Projekt dann weiter verfolgt und umgesetzt wird.

Sie ist Basis der dann wohl schwerwiegendsten Entscheidung des Stadtrats, ob das Projekt in die konkrete Planungsphase gehen wird.

 

Wird an dieser Stelle grünes Licht gegeben, dann folgt die Genehmigungsplanung die umfassende und kostenintensive Bodenuntersuchungen (Tiefbohrungen, Probeschürfungen) und Langzeitbeobachtungen des Naturraums erfordert.

Diese kostenintensive Phase kann allerdings erst beginnen und verantwortet werden, wenn vorher mit den Grundstückseigentümern klare Vereinbarungen über den Erwerb der Grundstücke im Falle der Projektumsetzung getroffen werden können.

 

Wenn die Planungs- und Genehmigungsphase abgeschlossen ist, kann der Bau beginnen.

Dieser könnte bei zügiger Umsetzung drei Jahre dauern.

Zwei Frühjahrshochwässer müssten dann noch abgefangen werden, bis der See voll sein wird.

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