Freizeitsee und Pumpspeicherprojekt
Wunsiedler See und Burgsteinsee

© Dr.-Ing. Matthias Popp, Burgstraße 19, D-95632 Wunsiedel,

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Veränderung von Natur und Landschaft

Beide Seen liegen in einer von Menschen entwickelten Landschaft.

Der Burgsteinsee käme in einem Wirtschaftswald zu liegen, in dem sich zur Zeit im Wesentlichen eine Fichten-Monokultur befindet. Vor einiger Zeit ist ein großer Teil dieser Fläche kahl gefallen, weil der letzte Sturm eine große Bresche hineingeschlagen hat. Die Landschaft, die mit dem Damm dort hin modelliert wird, könnte aus Findlingen gebaute felsige Unterschlüpfe für Tiere das Waldes, freie Flächen und Mischwälder aufweisen und viel mehr der Vorstellung von Natur entsprechen, als der jetzt dort befindliche Wirtschaftswald.

Das Röslautal ist geprägt von Wiesen und Feldern, die von Landwirten mit modernen Methoden bearbeitet werden. Der Talgrund ist durch die Jahrhunderte währende bäuerliche Bewirtschaftung trocken gelegt. Die Röslau selbst mäandert zum Teil künstlich verlegt, zum Teil so wie die letzte natürliche Änderung des Flusslaufes war, im tiefsten Grund des Tales nach Wunsiedel.

Einen "natürlichen" Zustand der Landschaft oben am Berg und unten kann man sich wohl im Gedanken ausmalen, geben wird es diesen bei der Bevölkerungsdichte in unserem Lande aber nicht.

Würde man das Tal sich selbst überlassen, dann kämen wahrscheinlich ziemlich schnell die Biber und würden die Talauen wieder in breite Sumpf- und Seenlandschaften verwandeln, wie es in Schilderungen von der ursprünglichen Besiedlung unseres Gebietes berichtet wird. Die Röslau hätte dann nicht mehr ihren festen, von Baumreihen gesäumten Verlauf sondern würde so, wie die Biber den Uferbaumbestand fällen und den Fluss umleiten, immer wieder neue Wege suchen. Einen kleinen Eindruck, wie Biber die Landschaft verändern, kann man zum Beispiel an der Gregnitz in Nagel oder im Bereich  der Tauritzmühle, nördlich von Speichersdorf beobachten. Das ist wirklich spannend. Für Landwirte und Bewohner des Talraums der Röslau wäre allerdings eine Renaturierung in diesem Sinne sicher hoch problematisch, weil ständig Bäume quer lägen und das Wasser schnell bis an die Häuser aufgestaut wäre.

Wasserbau hat der Mensch an Flussläufen schon immer betrieben. Bevor der elektrische Strom Einzug in unsere Wirtschaft und Haushalte hielt, war die Wasserkraft eine bedeutende Energie um Maschinen zu bewegen und Wohlstand zu schaffen. Wirtschaftszonen vor der Elektrifizierung waren immer an Wasserläufe gebunden. Deshalb ist es ganz natürlich, dass das Röslautal in seiner Vergangenheit zahlreiche Staustufen und Seen aufwies, mit denen Hammerwerke und Mühlen die aufgestaute Energie dann abriefen, wenn sie gebraucht wurde. Mit Einzug der Kraftmaschinen und der Elektrizität verloren diese Staustufen an Bedeutung, wurden zu großen Teilen trocken gelegt und in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt. Manche Flurnamen deuten diese ursprüngliche Nutzung aber noch an.

Wenn wir heute darüber nachdenken, eine derartige Nutzung des Talraums erneut aufleben zu lassen, dann ist das im Kontext der Geschichte dieses Tales nichts besonderes. Sicher wäre der heute zu schaffende See deutlich größer als das, was die Röslau in ihrer Vergangenheit erlebte, aber prinzipiell handelt es sich um nichts, was Menschen nicht schon seit Jahrtausenden an Flüssen machen.

"Natürlichkeit" des jetzigen Röslautals?

Außer dem Wasser selbst, den Baumreihen, die den Bachlauf säumen und einer Reihe von Stilllegungsflächen, enthält der Talraum nicht all zu viele Elemente, die an wirkliche Natur erinnern. Der Löwenanteil des Talraums sind land- und forstwirtschaftlich oder durch Bebauung genutzte Grundstücke. Wirkliche Rückzugsräume für Flora und Fauna sind eher die Ausnahme als die Regel.

Veränderungen durch den Wunsiedler See

Der Wunsiedler See würde diese von Menschen geschaffene Landschaft verändern und in erster Linie intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen in Wasserflächen umwandeln. Der Wunsiedler See bekäme einen Ufersaum, der deutlich größer wäre, als die jetzige Uferzonen entlang der Röslau. Rechnet man überschlägig, dass das ca. 10 km lange Ufer wegen seiner Steilheit oberhalb des Wasserspiegels einen, je nach Ufergestaltung, ca. 20 Meter breiten Streifen bildet, auf dem es keine landwirtschaftliche Nutzung geben kann, dann wären das bereits 20 Hektar Rückzugsraum für Flora und Fauna, die so entstehen würden. Allein das wäre ein grünes Band, ein Biotopverbund, der sich an beiden Ufern von Wunsiedel bis Tröstau (oder Leupoldsdorf) durchziehen könnte. (Siehe als Beispiel dafür im Abschnitt "Tallage" die Bilder vom stillgelegten Steinbruch in Sinatengrün. Dieser ist ein geschütztes, ökologisch wertvolles Biotop. Oder von der Johanneszeche, welche ebenfalls eine ökologische Ausgleichsfläche darstellt, in der seltene Arten anzutreffen sind.)

Die angeführten Beispiele, von denen noch viel mehr aufgezählt werden können, zeigen:  Bodeneingriffe in einer land- und forstwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft rufen so große Abwechslung hervor, dass genau da besonders wertvolle und schützenswerte Biotope entstehen.

Zusätzlich können schwimmende Inseln, die als Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen eingerichtet werden eine ganz neue Artenvielfalt anziehen, die bisher nicht beobachtet werden kann.

Die phantastischen ökologischen und gestalterischen Möglichkeiten, die ein Einsatz schwimmender Inseln bietet, wird eindrucksvoll auf der Bildergalerie von Floating Island International gezeigt: www.floatingislandinternational.com.

Ein Umgehungsgerinne, vergleichbar mit der in letzter Zeit geschaffenen Fischtreppe um das Stauwehr an der Stollenmühle, durch das jetzt ein Teilstrom des Röslauwassers fließt, könnte die Durchgängigkeit für Wassertiere und Pflanzen von Wunsiedel nach Tröstau sicher stellen.

Die Wasserqualität im Wunsiedler See dürfte vergleichbar werden mit der des Wunsiedler Eisweihers, dem Weißenstädter See oder zahlreichen Fischweihern, die sich im Talraum der Röslau befinden und mit dem dort fließenden Wasser gespeist werden.

Die ständige Bewegung die der Pumpspeicherbetrieb im Wunsiedler See auslöst, wird sicherstellen, dass stets eine gute Durchmischung des Wassers erfolgt und niemals Bereiche mit "abgestandenem" Wasser entstehen können.

Eutrophierung ist der Fachbegriff für übermäßiges Algenwachstum in nährstoffreichen, stehenden Gewässern.  Nährstoffreichtum im Wasser kann z.B. entstehen, wenn Dünger aus der Landwirtschaft durch Regengüsse abgeschwemmt wird oder weil ihn die Pflanzen aus diversen Gründen nicht rechtzeitig aufnehmen können. Diese Nährstoffe gelangen dann direkt in die Bachläufe oder dringen ins Grundwasser ein, reichern es an und befinden sich damit im Quellwasser. Starke Algenbildung setzt dann ein, wenn zum Beispiel in einem Teich das Wasser ruhig steht, sich die Schwebeteilchen am Boden abgesetzt haben und die Sonnenstrahlen durch dieses dann glasklare Wasser bis auf den Grund des Gewässers treffen. Dann setzt das Algenwachstum ein, weil alle Bedingungen vorliegen, die das fördern.

Diese Situation kann am Schönbrunner Dorfteich beobachtet werden. In ihm befinden sich keine Fische, die den Boden aufwühlen würden und für eine Trübung des Wassers sorgen könnten. In der kalten Jahreszeit, wenn nicht gebadet wird und sich die Schwebeteichen abgesetzt haben, wird das Wasser klar und man erkennt bis auf den Teichgrund alle Einzelheiten. Genau in dieser Zeit setzt heftiges Algenwachstum ein. Die "Schwemm" wird deshalb einmal im Jahr von einer Gruppe von Anwohnern "entalgt", damit sie wieder frei wird, von diesen Gewächsen. In der Sommerzeit, wenn in dem Dorfteich gebadet wird und aufgewirbelte Schwebeteilchen verhindern, dass die Sonnenstrahlen zum Boden gelangen, kann dieses Sprießen der Algen nicht beobachtet werden.

Das Gegenbeispiel dazu ist der Dorfweiher von Sinatengrün, in dem sich Karpfen und Schleien tummeln. Dort ist überhaupt kein Algenwachstum zu beobachten.

Am Wunsiedler See wird es durch den Pumpspeicherbetrieb so viel Bewegung und Durchmischung des Wassers geben, dass es nie glasklar werden wird um ein Algenwachstum zu entfachen. Im übrigen werden Fische für weitere Durchmischung und Aufwirbelung von Schwebeteilchen am Seegrund sorgen. Andernfalls müsste bereits jetzt am Wunsiedler Eisweiher, der mit Röslauwasser befüllt wird, starkes Algenwachstum beobachtet werden.

Geruchsemissionen gibt es an Gewässern, die abgelassen werden, wenn dabei abgestorbenes, verwesendes Leben an die Oberfläche gelangt. Diesen typischen Geruch kennt man vom Abfischen von Weihern oder wenn einmal ein Teich, an dem jahrelang nichts gemacht wurde, entschlammt wird.

In der Wasserstandswechselzone des Pumpspeichers, die regelmäßig nass und trocken fällt, wird sich kaum Leben ansiedeln. Am Meer, wo es seit Anbeginn Ebbe und Flut gibt, hat die Natur Lebensformen entstehen lassen, die sich auf ein Leben in der Wechselzone des Wasserstandes eingerichtet haben. An von Menschen geschaffenen Süßwasserseen, die ähnliche Wasserstandsschwankungen aufweisen, hatte die Natur nicht diese lange Zeit, um darauf abgestimmte Lebensformen zu entwickeln. Deshalb wird sich in den Übergangsbereichen, in dem die täglichen Pegelschwankungen stattfinden, kaum Leben ansiedeln. Wo sich kein Leben befindet, das absterben könnte, wird sich folglich auch keine Geruchsbildung einstellen können. Anders können diese Verhältnisse zum Beispiel an Seen sein, die im Winterhalbjahr voll laufen und im Sommerhalbjahr geleert werden, um zum Beispiel in Trockenzeiten die Schiffbarkeit von Flüssen aufrecht zu erhalten. Dort kann sich die Unterwasserwelt im Verlauf des Jahres durchaus in Bereichen ansiedeln, die erst im Spätsommer trocken fallen. Wenn diese Bereiche wasserfrei werden, dann sterben die Wasserlebewesen ab, die sich nicht zurück ziehen können. Die regelmäßigen Pegelschwankungen eines Pumpspeichers werden Tieren und Pflanzen aber gar nicht die Möglichkeit bieten, sich in dieser Zone anzusiedeln. Je steiler die Ufer ausgebildet werden, desto kleiner wird zudem diese Wechselzone.

Für Wasserlebewesen, die sich bevorzugt in oberflächennahen Bereichen ansiedeln, würden schwimmende Inseln die Bereiche bilden, die bei Gewässern mit gleichbleibendem Wasserstand das Ufer einnimmt. Schwimmende Inseln, die man als Rückzugsräume für die Flora und Fauna im Seebereich anlegt, könnten zahlreiche Übergangsformen von Wasser an Land abbilden und zu einer echten Bereicherung des Lebens beitragen, das in den See einziehen wird.

Hochwasserschutz und Trockenzeitreserve

Neben dieser Erhöhung der biologischen Vielfalt des Talraums kann das Wunsiedler Freizeit- und Pumpspeicherprojekt auch dem Hochwasserschutz dienen und in Trockenperioden den Abfluss der Röslau unterhalb des Dammes stabilisieren.

Das Regenwassereinzugsgebiet des Wunsiedler Sees reicht vom Damm an der Walkmühle bei Breitenbrunn über die Luisenburg, Kösseine, Hohenbrand, Hohe Mätze, Silberhaus, Platte, Seehügel bis zum Schneeberg. Die Wasserscheide verläuft von dort zwischen Vordorf und Meierhof nach Osten ins Zeitelmoos hinein, um Vierst, Kühlgrün und Hildenbach herum, zum Hildenbühl und über den Schönbrunner Berg an die andere Seite des Damms unterhalb der ehemaligen Wunsiedler Kaserne. Es umschließt eine Fläche von knapp 50 Quadratkilometern.

Je nach Größenvariante hätte der Wunsiedler See eine Fläche zwischen einem und zwei Quadratkilometern. Grob gerechnet hätte der Wunsiedler See zwischen einem fünfzigstel und einem fünfundzwanzigstel der Fläche seines Regenwassereinzugsgebietes.

Ein Millimeter Niederschlag im Gesamtgebiet, der sich im Wunsiedler See sammelt und nicht weiter abläuft,  würde den Wasserspiegel dort folglich, je nach Größe des Sees, um 25 bis 50 Millimeter anheben.

Starkregenereignisse bringen in einem meist örtlich begrenztem Gebiet in kurzer Zeit bis zu 100 Millimeter Niederschlag. Davon versickert und verdunstet ein gewisser Anteil. Viel fließt aber in kurzer Zeit in Bäche und Flüsse ab und erzeugt dort ein Hochwasser.

So ein Jahrhunderthochwasser würde den Wasserspiegel einer kleinen Variante des Wunsiedler Sees, der bis Furthammer ginge, 100 Hektar hätte und nicht ablaufen würde, um fünf Meter anheben, eine Seevariante bis Tröstau mit 130 Hektar um 3,8 Meter und die Seevariante mit 200 Hektar bis Leupoldsdorf um 2,5 Meter. Das zeigt dass das Stauvolumen des Wunsiedler Sees immer ausreichen würde, selbst Jahrhunderthochwässer aufzunehmen und den Abfluss in erheblichem Maße abzupuffern.

Es wird kaum vorkommen, dass Starkregenereignisse das gesamte Regenwassereinzugsgebiet betreffen. Selbst wenn das passieren sollte, dauert es lange Zeit, bis die gesamte Wassermasse am See ankommt. Derartige Regenereignisse sind heute vorhersagbar und können im Management der Wasserhaltung berücksichtigt werden. Man kann vor dem Ereignis den Wasserstand schon absenken, um die Aufnahmekapazität des Sees zu erhöhen und danach die Menge, die sich über dem regulären Füllvolumen in der Anlage befindet langsam ablassen. Das maximale (theoretische) Füllvolumen von Wunsiedler See und Burgsteinsse zusammen, (beide gefüllt) wäre ja das Doppelte der regulären Füllmenge (wenn z.B. ein See an seinem oberen und der andere an seinem unteren Stauziel ist). Natürlich würde man im Falle so einer brisanten Hochwassersituation den oberen See nicht einfach herab laufen lassen, wenn damit eine Gefahr für Menschen am Unterlauf abgewendet werden kann.

In umgekehrter Weise kennt man die Jahreszeiten, in denen mit längeren Trockenperioden zu rechnen ist. Bevor diese beginnen, kann man das in den beiden Seen zurückgehaltene Wasservolumen auf das Maximum anheben, mit dem ein regulärer Betrieb des Pumpspeichers durchgeführt werden kann. Während der Trockenzeit kann man dieses Volumen dann bei Bedarf abgegeben und den Unterlauf der Röslau mit zusätzlichem Wasser speisen, das sonst fehlen würde. Eine Absenkung des maximalen Stauziels im Talsee von 540 auf 539 Meter (10 auf 9 Meter Wassertiefe), würde je nach Größe des Sees ein bis zwei Millionen Kubikmeter Wasser freisetzen. Dieses kann die Röslau in trockenen Zeiten sehr gut gebrauchen und entspräche je nach Größe des Sees grob einer Wirkung von 50 bis 150 Millimeter Niederschlag in seinem gesamten Regenwassereinzugsgebiet. Bei der angegebenen Niederschlagsmenge ist die Verdunstung berücksichtigt, die mit 2/3 bis 3/4 des gefallenen Sommerregens angenommen wurde. Im Gegensatz zu Starkregenereignissen, wo keine Zeit zum Verdunsten, Versickern und zur Aufnahme in Pflanzen bleibt, kommt bei einem normalen Sommerregen nur ein Bruchteil des Wassers in der Röslau an, der überwiegende Anteil verdunstet sofort wieder oder wird von den Pflanzen aufgenommen. 

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