Freizeitsee und Pumpspeicherprojekt
Wunsiedler See und Burgsteinsee

© Dr.-Ing. Matthias Popp, Burgstraße 19, D-95632 Wunsiedel,

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Abdichtung des Talsees

Auch bei dieser Thematik gilt, dass die hier angestellten Überlegungen bestenfalls Diskussionsgrundlage für spätere Recherchen und Untersuchungen sein können. Es ist völlig unmöglich, bereits jetzt Aussagen darüber zu treffen, welche konkreten Untergrundverhältnisse angetroffen werden und welcher Aufwand erforderlich sein wird, um damit einen attraktiven und zugleich sicheren und für die Standsicherheit der Anliegergebäude unbedenklichen See zu schaffen. Spekulationen darüber schon jetzt anzustellen wäre unseriös und völlig verfrüht. Wie schon im vorhergehenden Abschnitt sollen die hier gezeigten Vorstellungen zum Nachdenken und Diskutieren anregen, welche Herausforderungen es bei der Verwirklichung so eines Projektes geben könnte.

Allgemein bekannt ist, dass durch das Röslautal ein Band aus Wunsiedler Marmor verläuft. In diesem Gesteinszug sammelt sich Grundwasser und es ist bekannt, dass er zerklüftete Strukturen aufweist. Aufgrund dieser Tatsachen ist ein besonderes Augenmerk auf zwei Aspekte zu richten: Der See darf zum einen durch Undichtigkeiten keine Wasserverluste erleiden. Diese könnten  verhindern, dass er voll wird und dass er das gesamte Jahr über im geplanten Umfang bewirtschaftet werden kann. Zum anderen muss dafür gesorgt werden, dass sich Pegelschwankungen des Sees nicht so auf den Grundwasserstand der Umgebung übertragen, dass angrenzende Gebäude dadurch beeinträchtigt werden können.

Genau dieser Sachverhalt bedarf einer sehr sorgfältigen Klärung und muss bei einer Machbarkeitsstudie ganz besondere Beachtung finden. Nun wäre dieser See ja nicht die erste Baustelle im Wunsiedler Marmor. Aufgrund von Erfahrungen mit anderen Bodenaufschlüssen in diesem Gebiet kann einiges über bisher vorliegende Erfahrungen ausgesagt werden.

Zunächst aber ein paar Skizzen, zu unterirdischen Szenarien der Wasserführung:

Die erste Skizze zeigt oberflächenparallele Klüfte. Unterirdisches Wasser kann sich bei so einer Bodenschichtung bevorzugt in horizontaler Richtung ausbreiten. Wäre dieses horizontale Kluftsystem mit vertikal verlaufenden, wasserführenden Störungen unterbrochen, dann könnte nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren ein erhöhter Druck in einem Bereich vor dem Damm zu einem Quellaustritt hinter dem Damm führen.

Die zweite Skizze zeigt schräg verlaufende Klüfte. Eine Erhöhung des Wasserdrucks im Seebereich vor dem Damm würde sich hinter dem Damm in immer größere Tiefen fortpflanzen. nur wenn quer zur Hauptkluftrichtung ebenfalls wasserdurchlässige Störungen verlaufen, kann es in anderen Bereichen zu Quellaustritten kommen. Die Wahrscheinlichkeit von Quellaustritten würde mit zunehmender Entfernung zum Damm abnehmen.

Die dritte Skizze zeigt steil abfallende Klüfte. In diesem Fall würde sich die Erhöhung des Wasserdrucks vor dem Damm im wesentlichen in die Tiefe fortpflanzen. Nur wenn gleichzeitig wasserführende bodenparallele Störzonen vorhanden sind, könnte es nach dem Damm zu Quellaustritten kommen.

In allen drei Skizzen ist angedeutet, dass der Bodenaushub eines Wunsiedler Sees, den Wunsiedler Marmorzug anschneiden würde und dieser einen erheblichen Teil des wegzunehmenden Geländes ausmachen dürfte. Sollte bei diesen Arbeiten ein Kluftsystem angeschnitten werden, das jetzt einen luftgefüllten Hohlraum bildet, dann würde sich dieser einfach mit Wasser füllen. Obige dritte Skizze soll in der Bildmitte so ein Szenario verdeutlichen. Quellaustritte unterhalb des Staudamms dürften dabei nicht zu erwarten sein, weil sonst so ein Hohlraum schon vorher mit Wasser gefüllt sein müsste.

Aus Erfahrungen mit Grundwasserentnahmen an Tiefbrunnen, aus Steinbrüchen und Baugruben im Bereich des Wunsiedler Marmorzuges kennt man die Ausdehnung von Absenktrichtern in der Umgebung.

Derartige Untersuchungen gibt es mehrfach für das Röslautal und die nähere Umgebung. Diese können einen ersten Anhalt liefern, wie der Einfluss des Wunsiedler Sees auf das Grundwasser in seiner Umgebung sein kann. Je durchlässiger der Untergrund ist, desto flacher wird so ein Absenktrichter ausfallen, weil das Grundwasser mit geringerem Widerstand über größere Entfernungen zulaufen kann. Je undurchlässiger der Untergrund ist, desto tiefer und steiler abfallend wird die Absenkung im Bereich er Entnahme sein, weil das zusickernde Wasser stärker zurückgehalten wird. Die Entnahmepegel der Tiefbrunnen im Talraum der Röslau gehen von wenigen Metern bis über 40 Meter unter die Geländeoberfläche.

Eine Grundwasserabsenkungen um ca. 1,2 Meter während einer vierstündigen Entnahme an der Denglerquelle  verursacht an einer Pegelmessstelle in Krohenhammer z.B. eine Pegelsenkung um ca. zwei Zentimeter. Das ist in etwa so viel, wie sich ca. einen Tag nach Abschluss der Entnahme, als Absenkung des Ruhegrundwasserspiegels an der Denglerquelle einstellt, wenn der Absenktricher unter dem Tiefbrunnen durch nachdrückendes Grundwasser wieder verschwunden ist.  

An einer Pegelmessstelle in der Nähe der Breitenbrunner Brücke schwankte der Grundwasserstand im Jahr 2007 zwischen zwei und sechs Metern Tiefe. Haupteinfluss darauf dürften Schneeschmelze und Regenfälle haben. An einzelnen Tagen betrug der Pegelanstieg bis zu einem Meter.

Die Machbarkeitsstudie kann alle Erkenntnisse, die dazu vorliegen, zusammentragen und in die Bewertung ggf. erforderlicher Maßnahmen einfließen lassen, um den Grundwasserhaushalt in der Umgebung des Sees stabil zu halten.

Eine Tiefenabdichtung im Dammbereich des Sees könnte wie folgt realisiert werden, um unterirdischen Wasserabfluss zu vermeiden:

Offene Klüfte im Seeboden vor dem Damm würden beim Anstauen des Sees mit Wasser gefüllt. Die Tiefensperre unter dem Damm würde verhindern, dass Wasser unterirdisch talabwärts abfließt. In welchem Umfang so eine Maßnahme notwendig sein wird, wie tief so eine Abdichtung mit Betoninjektionen erfolgen müsste und welche Alternativen es dazu gäbe, können nur genauere Untersuchungen aufzeigen. Im Abschnitt "Bilder anderer Seen" zeigen die Schautafeln des Brombachsees, dass dort ähnliche Untergrundverhältnisse vorliegen und wie diese Herausforderung dort gelöst wurde.

Drei Bilder zur Diskussion von Ufergestaltungen in der Nähe von Gebäuden sollen die Skizzen zu den Bodenverhältnissen abrunden. Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass es sich keinesfalls um Pläne handelt, wie so etwas konkret gebaut werden kann sondern um Anschauungsmaterial, das es erleichtern soll, darüber ins Gespräch zu kommen.

Schräges Ufer mit Gebäude:

Drainagen sind oben durchlöcherte Rohre, die in Schotter eingebettet die Aufgabe haben, Grundwasser oberhalb des Rohres abzuführen. Wie beim Tiefbrunnen gilt: Je wasserdurchlässiger das umgebende Bodenmaterial ist, desto großräumiger ist die Wirkung so einer Drainage. Bei mehr oder weniger wasserundurchlässigem Lehm würde so eine Tiefenentwässerung nicht einmal in seiner unmittelbaren Umgebung etwas bewirken. Drainagen werden in der Landwirtschaft häufig und gerne genutzt um feuchte und zeitweise von Quellaustritten durchsetzte Wiesen und Felder trocken zu legen. Ehemalige Feucht- und Sumpfgebiete, die landwirtschaftlich genutzt werden, sind oft mit einem Netz von Drainagen durchzogen. Ob und wo in unserem Fall der Einsatz dieser Technik angesagt sein wird, bedarf sorgfältiger Einzelfalluntersuchungen.

Steiles Ufer vor Gebäude, tiefgründiger Ufermauer und davor aufgeschichteter, fest mit der Ufermauer verbundener Felsenblockwand:

Steiles Ufer vor Gebäude aus teilweise natürlich vorhandenem, teilweise aufgeschichtetem Fels

In Realität werden die Ufer einen viel größeren Abstand zu Gebäuden haben, als es auf diesen Skizzen angedeutet ist. Hier sollen nur Überlegungen aufgezeigt werden, wie der Grundwasserspiegel in den Anliegergrundstücken von den Pegelschwankungen des Sees entkoppelt und wie die Stabilität des Untergrundes der Gebäude gesichert werden kann.

Beim Aushub von Baugruben, die in der Regel jeder Nachbar erdulden muss und die jeder, der selbst ein Haus baut auch selbstverständlich seinen Nachbarn zumutet, werden kaum Überlegungen angestellt, wie vermieden werden kann, dass Nachbargebäude vor dadurch ausgelösten Instabilitäten des Erdreichs geschützt werden können.

Ganz anders wird es bei einer Baumaßnahme sein, die auf Generationen angelegt ist und von der man weiß, dass sie Einfluss auf das Grundwasser und die Stabilität des Baugrundes der Anliegergrundstücke haben kann. Hier wird man mit größter Sorgfalt vorgehen um von vornherein Schäden und Ärger zu vermeiden. Vor Beginn der Maßnahme wird es eine genaue Bestandsaufnahme des Zustandes aller Gebäude im möglichen Einflussbereiches der Baumaßnahme und des Sees geben. Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Schaden auftreten, dann wird dieser selbstverständlich auf Kosten des Verursachers (der Betreibergesellschaft des Pumpspeicherwerks) behoben und entschädigt werden.

Eine riesige Betonwanne im Röslautal, wie einige Kritiker behaupten, die versuchen Stimmung gegen dieses Projekt zu machen, wird es mit Sicherheit nicht geben. Wahrscheinlich wird durch den Wunsiedler See der Grundwasserstand in den Uferbereichen entlang der Bebauung konstanter gehalten und der Baugrund besser stabilisiert werden, als es ohne dieses Gewässer der Fall ist.

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